Nachlese – aber mit Bedacht

Sonne und reichlich Äsung im Unterholz bringt die Rehe auch am Tage auf die Läufe.

Das Kalenderjahr ist um, das Jagdjahr dauert allerdings noch bis Ende März. Diese Unterscheidung hat gute Gründe. Mit dem Frühling erblickt die neue Wildtier-Generation das Licht in Feld und Wald, und deshalb hat sich die jagdliche Zeitrechnung auf diesen Termin festgelegt, um besser planen zu können. Außerdem läuft im ersten Quartal des neuen Kalenderjahres für die meisten Wildarten die Jagdzeit aus. Damit kann zum Stichtag 31. März eine realistische Bilanz über das zurückliegende Jagdjahr gezogen werden.

Januar ist noch ein Jagdmonat

Inwieweit im Januar noch gejagt werden sollte, darüber herrscht auch unter Jägern keine Einstimmigkeit. Der Bund gibt einen großzügigen Rahmen vor, der bei Rot- und Damwild sogar einen Eingriff bei Schmalstücken und Kälbern bis Ende Februar zulässt, ebenso bei Rehkitzen. Die meisten Bundesländer wollen jedoch, dass bei den wiederkäuenden Arten Ende Januar Halali geblasen wird. In gebirgigen und schneereichen Regionen ist beim Gamswild bereits am 15. Dezember Hahn in Ruh, und ab 16. Januar fängt auch für Rehe die Schonzeit an. In fast allen anderen Bundesländern ist am 31. Januar Jagd auf Reh-, Rot- und Damwild vorbei.

Das sonst einzelgängerische Rehwild schließt sich im Winter zu Sprüngen zusammen.

Bis Weihnachten den Abschuss erfüllen

Viele Jagdkundige halten das Jagen bis in den Januar für kontraproduktiv. Das Schalenwild habe sich schon auf einen verminderten Stoffwechsel, also auf das winterliche Sparprogramm eingestellt und sollten nicht mehr beunruhigt werden. Beim Schwarzwild bestehe die Gefahr, dass Bachen bereits gefrischt haben. Diesen Standpunkt vertritt auch zum Beispiel die Deutsche Wildtierstiftung. Und die Berufsjäger äußern sich auch unmissverständlich: „Wer seinen Abschuss an Rot- und Rehwild nicht bis Weihnachten erfüllt hat, der kann es nicht – oder er will es schlicht und ergreifend nicht“, so der BDB-Vorsitzende Bernd Bahr.

Sonne und reichlich Äsung im Unterholz bringt die Rehe auch am Tage auf die Läufe.

Einzel- oder Drückjagd?

Die meisten Revierinhaber werden versuchen, ihren Abschussplan bis zum Ende des Kalenderjahres zu erfüllen, um Rot-, Dam- und Rehwild eine längere Ruhepause zu gönnen. Außerdem lässt sich die Strecke vor Weihnachten am besten verkaufen. Ein Großteil des Abschusses geschieht heute im Herbst vorwiegend auf Drückjagden. Allerdings gelingt das nicht immer, wenn nicht berufsmäßig gejagt wird. Deshalb wird dann auch die Gelegenheit im Januar genutzt – vor allem wenn Schnee dem Jäger hilft. Die Frage ist, welche Form der Bejagung im Januar genutzt wird – Einzel- oder Drückjagd?

Schnee und Sonne – da rollt sich der Fuchs gern im Freien ein

Nicht unnötig durch die Gegend scheuchen

Drückjagden erzeugen natürlich die stärkste Beunruhigung fürs Wild. Hunde und Treiber bringen so ziemlich alles in den Einständen auf die Läufe, selbst wenn es ausschließlich dem Schwarzwild gilt. Wenn also im Januar gedrückt wird, erscheint es sinnvoller, alle Schalenwildarten freizugeben, die noch auf dem Abschussplan stehen. Die Wilddichten sind allgemein hoch, und in Zeiten von drohender Schweinepest und klimageschädigtem Wald sollte das Wild nicht unnötig durch die Gegend gescheucht werden.

An solchen Tagen begeben sich die Sauen gern mal auf Expeditionstour.

Die kleinen Ecken vornehmen

Wer sein Plansoll erfüllt hat, kann den letzten Monat der Jagdzeit auch gezielt für „B-Einstände“ nutzen. Damit sind eher kleinere Ecken im Revier gemeint, die sich bei größeren Jagden nicht lohnen. Mit reduzierter Mannschaft kleine Dickungen, Feldgehölze, Schilfpartien oder Ähnliches anzugehen, ist vor allem im Hinblick auf Sauen eine erfolgversprechende Angelegenheit. Außerdem ist mit wenigen Leuten eine größere Flexibilität möglich, und die Jagd im kleinen Kreis ist persönlicher und gemütlicher als die (notwendigen) Großversammlungen bei revierübergreifenden Veranstaltungen.

Außerhalb der großen Einstandsgebiete bieten sich kleine Treiben zum Beispiel in Schilflöchern an.

Nachlese bei der Einzeljagd

Aber auch eine gezielte Nachlese im Form der Einzeljagd bietet sich im Januar an. Dabei kann noch gezielt manche Lücke im Abschusssoll gefüllt werden. Alttiere oder Ricken, die ihre Kälber verloren haben, einzelne Kälber, Kitze oder versprengte Frischlinge lassen sich unter diesen Bedingungen gut erlegen. Wer behutsam vorgeht und vermeidet, in große Rudelverbände zu schießen, macht alles richtig. Natürlich darf es auch nicht zu einem Dauer-Belagerungszustand ausarten. Aber das ist in den kurzen Januar-Tagen für Berufstätige sowieso schwierig.

Wo Ruhe herrscht, genießt das einzelne Stück Rotwild die wärmende Wintersonne.

Zeit für die Flinte

Wer mal wieder Lust hat, mit der Flinte ins Revier zu ziehen, dem bieten Gänse und Enten bis Mitte Januar ein interessantes Betätigungsfeld und leckeres Wildbret. Ebenso hat die Raubwildjagd jetzt Hochsaison: Waschbär, Marderhund, Marder und besonders den Fuchs reizen jetzt den passionierten Waidmann. Reife Bälge inbegriffen. Reineke ruft zudem die Baujäger auf den Plan, die hier für ihre kurzläufigen Gefährten ein ideales Einsatzfeld finden.

Fazit also: Jagd im Januar bietet eine große Palette an Möglichkeiten. Und wenn sie in dieser Jahreszeit mit Rücksicht auf die Bedürfnisse des Wildes ausgeübt wird, dann macht man nichts verkehrt.

Der Mais konnte nicht geerntet werden. Ein Anziehungspunkt für das Flugwild.

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