Jagdzeiten: Nicht alles mitmachen

Bei zu häufigen Störungen zieht sich das Wild in den Wald zurück.

Für die alten Jäger begann früher das Jagdjahr mit dem 16. Mai. An diesem Datum ging früher die Jagd auf den Rehbock auf. In den neuen Bundesländern war man etwas früher dran, und bald wurde diese Regelung zum Vorbild für die ganze Nation: Seit Jahrzehnten ist der 1. Mai Auftakt für die neue Jagdsaison. Ganz nebenbei mit dem Vorteil, dass der 1. Mai als gesetzlicher Feiertag jedem passionierten Grünrock den bewaffneten Gang ins Revier ermöglicht. Dieser Jagdbeginn einen halben Monat früher hatte Vorteile im Feld wie im Wald mit üppiger Bodenvegetation: Das Getreide und der Raps verschlucken noch nicht die Rehe, und der Wald wird noch nicht zum Dschungel, in dem das Wild unsichtbar verschwindet.

Gerade schwache Stücke finden mit Raps und später Mais reichlich Deckung in der Feldmark.

Im Zeichen des Klimawandels

Doch ganz offensichtlich lösen Klimawandel, Trockenheit und Borkenkäfer bei der Forstpartie Alarmstimmung aus. Mit dem Schreckensbild, dass die wilden Tiere auch noch die letzten Pflänzchen in den Baumbeständen vernichten, werden sie zum Feinbild von Waldumbau und Klimafolgen erklärt. Und trotz intensiver Jagd in den bisher schon üppig bemessenen Schusszeiten, wird auf eine weitere Ausdehnung des jagdlichen Spielraums gedrängt. Größtenteils gegen das Votum der Jagdverbände hat man dieses Ansinnen zum Beispiel mit der Verlängerung der Rehbock-Jagdzeit bis in den Januar hinein durchgesetzt.

Vor allem der Eingriff in der Jugendklasse sollte zu Beginn der Jagdzeit Vorrang haben.

Jagdzeit heißt nicht gleich Jagdfreigabe

Diese in vielen Regionen heftig diskutierte Maßnahme war aus jagdlicher Sicht nur schwer zu verteidigen. Denn wenn Ricken, Schmalrehe und Kitze frei sind und auch auf Drückjagden bejagt werden, dann lässt sich gegen den Abschuss eines Bockes nicht viel sagen – außer in punkto Trophäe. Und die sollte heutzutage nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Dass damit das schwierige Ansprechen nach Geschlecht bei Drückjagden wegfällt, ist sicher ein Vorteil, wenn man Strecke machen will. Aber dieses Spiel muss man nicht mitmachen. Jeder private Pächter, dem dieses eindimensionale Vorgehen missfällt, hat die klare Möglichkeit, bei der morgendlichen Vergatterung seine Vorstellungen zu äußern: „Böcke sind bei mir nicht frei!“

Die jungen Bastböcke zieht es auf den Raps.

Jagd im April ist kontraproduktiv

Kritischer sieht die Sache von den Umgebungsvarianten her im Frühjahr, im April aus. Alles Schalenwild hat eine Schmalkost-Zeit hinter sich und drängt auf das frische Grün zu Beginn der neuen Vegetationsperiode. Selbst das Schwarzwild weidet richtiggehend auf sprießenden Grünflächen. Die auffälligen Rundungen bei Ricken und Alttieren kündigen neues Leben an. Wir Menschen genießen die Frühlingsstimmung der aufbrechenden Natur, für die Wildtiere bedeutet es aber mehr: Neue Nahrung, neuer Energieschub, neues Leben. In diesen Neubeginn bereits Jagdzeiten zu legen, ist nicht sinnvoll. Außerdem treibt man das Wild auf die Art in die Einstände, wo sie im Zweifel genau das macht, was der Forst nicht will. Mal abgesehen davon, dass zum Beispiel mit der Verlängerung bis in den Januar fast keine Ruhephasen mehr gegeben wären.

Bei zu häufigen Störungen zieht sich das Wild in den Wald zurück.

Die Situation in grünen Höllen

In Wäldern, die sehr schnell mit Unterwuchs zuwuchern und bereits früh zu einer „grünen Hölle“ werden, mag dieser frühe Jagdzeitpunkt eine Hilfe sein. Aber könnte dieser Abschuss nicht auch nach der Vegetationsphase im Herbst angegangen werden? Mal abgesehen davon, dass bei einem starken Bodenbewuchs auch soviel Äsung vorhanden ist, dass Schäden an wertvollen Bäumen kaum zu erwarten sind.

Bei starkem Unterwuchs wird das Wild irgendwann unsichtbar.

Das Gesetz des Örtlichen

Entscheidend ist, dass der Abschussplan erfüllt wird. Das „Wie“ ist letztlich eine Sache des Revierinhabers. Es gibt genug Reviere, in denen das auch ohne „Hauruck“-Maßnahmen funktioniert, in denen sogar erst mit der Rehwildbejagung angefangen wird, wenn die Stücke rot sind. Ebenso verzichten viele Waldbesitzer auf die Sommerjagd auf Schmaltiere und Schmalspießer, weil sie davon ausgehen, dass durch die Unruhe mehr Kollateralschäden entstehen als Nutzen. Im Feldrevier sieht das hingegen wieder ganz anders aus. Deshalb müssen die Jagdmethoden stets an das Örtliche angepasst werden.

Frisches Grün treibt alles Schalenwild auf ungestörte Grünflächen.

Nicht jeden gesetzlichen Rahmen ausschöpfen

Die private Jägerei tut gut daran, sich nicht von jeder Hysterie der Forsten anstecken zu lassen. Auf ihr intensives Drängen und Nähe zu politischen Entscheidungsträgern sind manche Neuregelungen wie zum Beispiel bei den Jagdzeiten umgesetzt worden. Doch diesen muss nicht jeder folgen. Es ist ein Rahmen, keine Vorschrift. Wildtiere machen Schäden, aber es sind keine Schädlinge, die wie Bösewichter verfolgt werden müssen. Früher kamen viele konstruktive Vorschläge zur Hege und waidgerechten Jagd aus der Forstpartie. Das hat sich deutlich geändert. Deshalb ist es die Aufgabe der privaten Jägerei, dieses Gedankengut zeitlich angepasst aufrecht zu erhalten.

Sie brauchen jetzt viel Ruhe und Äsung – hochbeschlagene Ricken.

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