Jagd in der Paarungszeit

Der Herrscher des Reviers

Der mächtige Schrei eines starken Hirsches geht unter die Haut.

Paarungszeiten des Wildes sind besondere Höhepunkte im jagdlichen Jahr. Die Balz von Auer- und Birkhahn im Frühling, die Blattzeit im Hochsommer, die Rauschzeit des Schwarzwildes im Spätherbst oder die Ranzzeit des Fuchses sind Beispiele für Glanzpunkte im jagdlichen Kreislauf – je nach Passion und Revier. Ein herausragendes Ereignis ist die Brunft des Rotwildes zu Beginn des Herbstes mit dem Schwerpunkt in der zweiten Septemberhälfte. Doch ist die Jagd während der Paarungszeit eigentlich waidgerecht?

Rotwildbrunft – eine bühnenreife Aufführung

Die Rotwildbrunft ist ist nicht nur deshalb herausragend, weil es sich beim Rotwild um die größte und imposanteste einheimische Schalenwildart handelt. Auch das Brunftgeschehen selbst ist ein lautes und eindrucksvolles Spektakel, das nicht nur Jäger in ihren Bann zieht, denn es sind wahrlich bühnenreife Auftritte. Die Platzhirsche verteidigen mit aller Macht ihr zusammengehütetes Kahlwild. Wenn die Lautstärke nicht mehr hilft, kämpfen sie mit aller Energie um das Recht auf Fortpflanzung – teilweise bis zur totalen Erschöpfung. Diese Auseinandersetzungen mit ihren Rivalen können bisweilen sogar tödlich enden. Szenen von urtümlicher Dramatik, die sich kein Drehbuchautor besser ausdenken könnte.

Großes Schauspiel auf kleiner Bühne

Dass solche Naturschauspiele in unserer eng besiedelten Industrienation an vielen Stellen noch stattfinden, sollte uns dankbar sein lassen. Auch die, die meinen, alles Schalenwild nur noch als Schad- und Störfaktor ansehen zu müssen. Heute genießen manche Insekten schon mehr Aufmerksamkeit und Empathie als diese imposanten Großsäuger.

Jagen in der Paarungszeit?

Grundsätzlich bewirken Paarungszeiten eine größere Aktivität des Wildes. Das heißt für den Jagenden, er sieht und hört das Wild besser als in den anderen Monaten des Jahres. Häufig auch bei besserem Licht. Das erhöht eindeutig seine Chance, Beute zu machen. Manche Menschen halten das nicht für waidgerecht, da das Wild nicht die übliche Vorsicht an den Tag legt. In einigen Ländern darf deshalb von Gesetz wegen in der Paarungszeit nicht gejagt werden.

Jagen heißt Überlisten

Wer diesen Gedanken konsequent weitererfolgt, wird erkennen, dass Jagd immer aus dem Überlisten von Beutetieren besteht. Menschlicher Verstand und Raffinesse gegen die überlegenen Sinne der Wildtiere. Jäger berücksichtigen den Wind, schleichen sich leise an, tarnen sich, kirren, nutzen das Mondlicht usw. Bei der technischen Ausstattung werden aber Grenzen gesetzt – denn sonst wäre die Jagd nicht fair, in anderen Worten: nicht waidgerecht.

Regeln gegen Ausschweifungen

Gesetzliche Regelungen, Abschusspläne, Hegerichtlinien und viele andere Regelungen verhindern eine übermäßige Ausnutzung unserer menschlichen Überlegenheit. Wer eine jagdliche Nutzung in den Paarungszeiten für unethisch hält, kann darauf selbstverständlich verzichten. Er sollte aber überlegen, ob er deshalb gleich ein vernichtendes Urteil über die Waidgenossen fällen sollte, die diese Zeiten mit Passion nutzen. Das schwächste Argument ist die Aussage, man „müsse“ das ja tun, weil es die Nachbarn ja auch machen.

Nehmen Sie mal einen Nichtjäger mit!

Zurück zum eindrucksvollen Konzert des Edelwildes in unseren Wäldern. Nur in einem Teil der mitteleuropäischen Reviere ist das Rotwild heimisch und bietet das Schauspiel der Brunft. Es gibt fast keine bessere Gelegenheit, Nichtjägern die Faszination von lebendigem Naturgeschehen näherzubringen als zu diesem Zeitpunkt. Naturinteressierte werden dieses Erlebnis mit großen Augen und Ohren aufsaugen und können vielleicht so am einfachsten verstehen, was einen Jäger immer wieder nach draußen treibt. Die mächtigen Tiere, das dynamische Geschehen, die gewaltige Akustik – und das Ganze üblicherweise im Dämmer- oder fahlen Mondlicht. Da bleibt kaum jemand unberührt.

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