Drückjagd – Balance zwischen Mut und Zurückhaltung

Bache mit Frischlingen

Finger gerade lassen! Die Bache ist tabu, und die drei Frischlinge decken sich gegenseitig.

Auf Hochwildarten hat nicht jeder Waidmann in Deutschland Zugriff. Mit einer Ausnahme: bei der Drückjagd. Die Hochwildreviere mit gutem Schalenwildvorkommen beginnen im Oktober mit gemeinsamen Jagden, um den vorgeschriebenen Abschuss zu erfüllen. Das geschieht vorwiegend in Waldrevieren, in die sich Sau, Hirsch und Reh nach dem Abernten der Felder zurückziehen. Vor allem in den staatlichen Revieren wird ein Großteil des Wildes auf diese Art zur Strecke gebracht. Einzeljagd bildet heute hier häufig nur die Ausnahme. Im deckungsreichen Gelände ist die Ausbeute auf Gemeinschaftsjagden einfach besser ohne ständig das Revier zu beunruhigen.

Große Drückjagdstrecke
Wildreiche Reviere und gute Organisation sorgen für ansehnliche Strecken.

Wer nicht durch Beziehungen oder als Hundeführer eine Einladung erhält, kann sich bei rechtzeitiger Meldung gegen Gebühr einen Stand sichern. Es gibt unterdessen sogar Modelle, bei denen externe Unternehmen die Jagden für Forstbetriebe organisieren und ebenfalls Plätze für Gastjäger anbieten.

Die Qualität der Schützen

Dieses System funktioniert vielerorts sehr gut, hat aber, wie jedes System, auch seine Schattenseiten. Schützen, die von weither anreisen, häufig wenig Kenntnis von Hochwild und für die Jagdteilnahme bezahlt haben, wollen sich für ihren Aufwand belohnen und zählbaren Erfolg haben. Deshalb sitzt bei einigen der Finger reichlich locker, selbst minimale Chancen werden mit hohem Risiko angegangen. Der Leidtragende ist dann das Wild. 

Damkahlwild im Treiben
Die Stücke würden passen, aber ob sich eines freistellt, ist fraglich. Nerven bewahren!
Kontrollsuche nach Drückjagd
Ganz wichtig im Sinne der Waidgerechtigkeit – firme Hundegespanne für Kontroll- und Nachsuchen.

Das Risiko richtig einschätzen

Ein Fehlschuss ist nicht das Problem und ärgert nur den Schützen. Schlimm sind vor allem Krankschüsse und schlechte Schüsse mit hoher Wildbretentwertung. Ganz vermeiden lassen sich auf einer Drückjagd schlechte Schüsse zwar nie. Wird jedoch auf große Entfernungen auf hochflüchtiges Wild Dampf gemacht, sind die Folgen vorhersehbar. Ebenso ist Zurückhaltung angesagt, wenn Rudel oder Rotten kompakt kommen. Wer hier nicht aufpasst, produziert „Paketschüsse“, die unter Umständen unbemerkt bleiben.

Bache mit Frischlingen
Finger gerade lassen! Die Bache ist tabu, und die drei Frischlinge decken sich gegenseitig.

Drückjagden sind kein Schießkino

„Cash for kill“ nennen manche Kritiker solche Auswüchse. Und tatsächlich scheinen einige Teilnehmer zwischen Schießkino und freier Wildbahn nicht unterscheiden zu können. Der wichtige Unterschied: Ein schlechter Schuss auf Scheibe oder Leinwand verursacht kein Tierleid, draußen im Revier allerdings schon! Das sollte sich jeder Drückjagdteilnehmer stets vor Augen halten und sich der Verantwortung bewusst sein. 

Schießkino
Schießkinos eignen sich gut zum Üben mit der eigenen Waffe.

Als sei man im eigenen Revier

Der gern als Ausrede benutzte Spruch „Nicht geschossen ist auch vorbei“ dokumentiert eindeutig Schießer-Mentalität. Die Tatsache, dass viele Schützen keinerlei Bindung zum Drückjagdrevier besitzen, fördert häufig eine gewisse  Hemmungslosigkeit. Um solche Auswüchse zu unterbinden, sei die empfehlenswerte Ansage des Jagdleiters bei der Begrüßung zitiert, man möge doch so jagen, als sei man im eigenen Revier.

Standeinweisung
Klare Ansagen bei der Standeinweisung sind nötig, um Gefahrenquellen auszuschließen.

Strecke machen

Das bedeutet jetzt allerdings nicht, dass nur vornehme Zurückhaltung an den Tag gelegt werden soll. Bei der Drückjagd gibt es nun mal nicht nur „jagdliche Elfmeter“. Eine gut organisierte großangelegte Drückjagd bedeutet einen enormen Aufwand für den Veranstalter und hat das Ziel, eine gute Strecke zu liefern. Deshalb darf die Jagdleitung von den Teilnehmern auch Konzentration und Einsatz erwarten. Man will das Wild ja nicht „nur so zum Spaß“ auf die Läufe bringen. 

Drückjagd-Schuss Wildschwein
Gerade bei Wegen und Schneisen ist volle Aufmerksamkeit gefragt.

Die eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen

Die große Kunst des Schützen ist es, zwischen Risiko und vernünftiger Erfolgsaussicht abzuwägen, ohne dabei den Sicherheitsaspekt aus den Augen zu verlieren. Es ist nicht einfach, das richtige Maß zu finden, denn dieses Abwägen muss in der Drückjagdpraxis innerhalb von Sekundenbruchteilen erfolgen. Der Erfolg rechtfertigt das Tun, geht etwas schief, lässt es sich nicht mehr zurückholen. Wichtig ist vor allem, die eigenen Fähigkeiten richtig einschätzen. Nicht jeder ist ein Kunstschütze wie auf manchen Jagdvideos.

Wildschwein flüchtig
Es gehört schon eine gewisse Übung dazu, um ein Wildschwein in voller Fahrt sauber zu treffen.
Rotwildrudel auf Drückjagd
Eine ideale Situation für den Schützen, weil das Rotwildrudel wie an der Perlenschnur die Schneise kreuzt. Allerdings nur, wenn der Schuss auf ziehendes Wild geübt ist.

Einen klaren Kopf behalten

Die Entscheidungen auf der Jagd sind stets endgültig. Nicht umsonst existiert schon seit Urzeiten der Spruch „Ist die Kugel aus dem Lauf, hält kein Teufel sie mehr auf“. Wer in der Lage ist, selbst in heißen Drückjagd-Situationen einen klaren Kopf zu behalten, wer seine Chancen zuverlässig und effektiv nutzt, und wer im Zweifel auch mal den Finger gerade lassen kann, wird stets ein gerngesehener Gast bei solchen Veranstaltungen sein.

Drückjagdreh flüchtig
In den meisten Revieren wird vernünftigerweise nur der Schuss auf stehendes Rehwild zugelassen.

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