Der böse Geist

Editorial von Heiko Hornung, Chefredaktion der Zeitschrift WILD & HUND:

Gute Jagd nimmt Rücksicht

Er versteckt sich hinter scheinbar harmlosen Floskeln und Begriffen wie „Wald vor Wild“, Schalenwildmanagement oder Schadfaktor. Er gibt sich fortschrittlich und diskreditiert das Alte. Jagdliche Traditionen, Waidgerechtigkeit und Hege sind für ihn Relikte feudaler oder totalitärer Systeme. In der Umsetzung zeigt dieser böse Geist allerdings, dass er von dem Wertvollsten, was die gute Jagd im Kern trägt, nämlich einen respektvollen Umgang mit dem Wild, nichts versteht.

Gute Jagd nimmt Rücksicht auf die Bedürfnisse des Wildes, achtet auf einen anständigen Umgang mit dem erlegten Stück, das verwertet werden soll. Gute Jagd hat auch eine gute Strecke zum Ziel, aber sie ist nicht darauf ausgerichtet, „Schädlinge“ in möglichst großer Zahl zu töten. Das war unter anderem der Grund, warum ein Berufsjäger in Bayern seinen Job hinschmiss.

Die Unterscheidung von Gut und Böse

Ein anständiger Jäger muss nicht zwangsläufig Strecke legen, Jagdhorn blasen und Brüche überreichen. Diese Bräuche oder Rituale zeugen aber von einer Geisteshaltung, die Ehrfurcht und Respekt ausdrückt. Wenn er in Wald und Feld dem Wild nachstellt, entscheidet sich, ob er ein anständiger Jäger ist. Beherrscht er sein Handwerk und übt er es mit Liebe zum Wild und der Natur aus? Übernimmt er Verantwortung für sein Handeln oder riskiert er den unbedachten Schuss mit allen Folgen?

Mitgefühl und die Unterscheidung von Gut und Böse, richtig oder falsch sind in uns Menschen angelegt. Was ist passiert, wenn ein bayerischer Förster damit prahlt, dass er mit Schneeschuhen eine Rehfährte ausgegangen sei, bis er das Stück, das im Schnee nicht mehr fortkam, erschoss? Es bleiben angesichts dieser und noch vieler anderer Erzählungen von Berufsjägern nur noch Kopfschütteln und Tränen der Wut.

Ohne Mitgefühl ist es keine Jagd, sondern Töten

Das Leiden des Wildes darf keinen guten Jäger kaltlassen. Führungsloses Jungwild, dem das Muttertier weggeschossen wurde, verletztes, angeschweißtes, wehr- und hilfloses Wild gehen ihm zu Herzen und fordern sein Erbarmen. Einen Technokraten, der nur Zahlen oder nur noch seinen Klimawald sieht, kümmert das alles nicht mehr. Das zeigt, dass der böse Geist von „Wald vor Wild“ ein unmenschliches Antlitz hat.

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