Brauchtum – wozu braucht man das?

Bruch überreichen

Auch bei der Einzeljagd rundet das Brauchtum eine erfolgreiche Jagd stimmungsvoll ab.

Die Jagd begleitet die Menschheitsgeschichte von Anfang an. Früher war sie überlebenswichtig, heute ist in unseren Breiten „nur noch“ wichtig. Jagen ist besonders erfolgreich, wenn sie in Gemeinschaft ausgeübt wird. Dafür haben sich über lange Zeit Regeln und Gebräuche entwickelt. Einerseits weil sie die Effektivität des Jagens erhöhten, aber auch um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. So wie sich die gesellschaftlichen Umstände veränderten, sind auch die jagdlichen Gebräuche einem ständigen Wandel unterworfen.

Bruch überreichen
Ein erkennbar zufriedener Abschluss der Jagd

Die richtige Kopfbedeckung

Genau an dieser Frage entzünden sich heute manche Diskussionen. Da wird schon mal ein angehender Jungjäger vom Schießstand verwiesen, weil er mit Jeans und rotkariertem Hemd antreten will. Und wer über die Strecke tritt, muss ebenfalls mit Sanktionen rechnen. Ein Käppi wird auf manchen Jagden als nicht brauchtumsgerecht disqualifiziert, und wenn dann noch der Bruch auf der linken Seite der Kopfbedeckung platziert wird, muss der Schütze darum bangen, beim nächsten Mal nicht zum Treiber degradiert zu werden.

Warnkleidung
Heute dominiert leuchtendes Rot die Gesellschaftsjagden. Sicherheit geht vor Tradition.

Hut ziehen beim Halali?

Ein beliebter Streitpunkt zwischen Jägern ist auch, ob beim Blasen des Halali der Hut gezogen werden soll. Die meisten halten das für unnötig, anderen ist es ein Bedürfnis, am Ende der Jagd, die vielen Tieren das Leben genommen hat, sich auf diese Art zu verneigen. Wer nicht gern als Außenseiter auffallen will, sollte sich an der Jagdleitung orientieren und ihrem Beispiel folgen. So kann man eigentlich nichts verkehrt machen.

Halali: Hut ab
Da streiten sich die grünen Geister: Beim Halali Hut ab oder nicht?

Jägersprache richtig angewandt

Ein ganz eigenes Thema ist die Jägersprache: Sie präzisiert viele Begebenheiten und Abläufe in der Natur und ist unter Jägern eine gute Möglichkeit, sich eindeutig zu verständigen. Die „Böhmische Streife“ sagt zum Beispiel eindeutig die Form eines Treibens an, der Begriff „Tauschlag“ kennzeichnet die deutliche Fährte von Wild im morgendlichen Tau und von „Verklüften“ spricht man, wenn Dachs oder Fuchs die Röhre zwischen sich und dem Bauhund zuscharren. Das sind nur einige Begriffe, die Vorgänge in der jagdlichen Praxis unverwechselbar belegen. Diese Fachsprache sollte auch erhalten und gepflegt werden, denn sie ist meistens viel eindeutiger als Vokabeln aus der allgemeinen Umgangssprache. Gegenüber Laien sollte allerdings Toleranz an den Tag gelegt werden: Um sich besser zu verständigen, darf der Hase durchaus Ohren und die Sau Beine haben, wenn es der besseren Verständigung dient. Wichtiger ist der unbeschwerte Austausch über die Schönheiten der Natur und ihrer wilden Tiere.

Bruch in der Tasche
Junge Jäger gehen schon mal etwas legerer mit ihrem Schützenbruch um. Das gefällt nicht jedem Grünrock.

Jagdhorn: Heute mehr Stimmung als Signal

Ein ganz starker Trumpf in der Pflege unseres Brauchtums ist das Jagdhorn. Und das obwohl die Signalgebung mit dem Horn für die Organisation der Jagd auf den Schalenwildjagden kaum noch eine Bedeutung hat. Großräumigkeit der Treiben und das notwendige leise Anstellen haben die Jagdhörner bei dieser Gelegenheit aus dem Verkehr gebracht. Sprechfunk und Mobiltelefone sind für diese Jagden effektiver. Das heißt aber nicht, die Hörner haben ausgedient. Bei Treibjagden haben sie nach wie vor ihre Berechtigung. Zur Begrüßung und beim abendlichen Streckelegen runden ihre Klänge zudem einen Jagdtag würdevoll ab. Auch Außenstehende sind von diesem stimmungsvollen Zeremoniell stets beeindruckt.

Jagdhornbläser
Trotz moderner Technik möchte kaum jemand den Klang der Hörner im Wald missen

Brauchtum ist nichts Starres

Brauchtum sollte Tradition und Wissen bewahren, aber nichts Starres sein und offen für Veränderungen. Wer hätte vor 50 Jahren beispielsweise gedacht, dass Jagdgesellschaften statt in traditionellem Grün im Feuerwehr-Look daherkommen? Doch keiner wird den Sinn dieser Sicherheitsmaßnahme infrage stellen. Vor 100 Jahren galten Zielfernrohre vielen als unwaidmännisch, heute haben wir beleuchtete Absehen und diskutieren über Nachtziel- und Wärmebildtechnik. Anschüsse werden nicht mehr mit Brüchen (natürlich nur von gerechten Baumarten) gekennzeichnet, sondern mit auffälligem Trassierband, weil besser erkennbar und witterungsbeständig. Der praktische Wert für eine waidgerechte Jagd ist das Entscheidende.

Trassierband Nachsuche
Anschüsse und Pirschzeichen werden heute aus zweckmäßigen Gründen mit Trassierband markiert

Wirkung nach innen und nach außen

Das heißt jedoch nicht, dass Neuerungen und praktische Verbesserungen die traditionellen Werte stets außer Kraft setzen müssen. Das gewachsene Brauchtum fördert das Gemeinschaftsgefühl der Jäger und belegt auch deren umfangreiches Spezialwissen. Sein Kern sollte gepflegt und in der Jägerausbildung gelehrt werden. Eine tolerante Anwendung innerhalb der Jägerschaft und ein zurückhaltender Gebrauch gegenüber Außenstehenden erhält es hoffentlich noch lange als Kulturgut am Leben.

Hubertusmesse
Der Hubertustag ist nicht nur Einkehr für Jäger, sondern auch eine Möglichkeit, ihre Anliegen öffentlich zu präsentieren.

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