Jagdhunde in Jäger- und Nichtjägerhand

In Zeiten von Pandemie und Homeoffice entscheiden sich immer mehr Jäger und Nichtjäger für einen Hund im eigenen Haushalt. Der Trend hin zu Jagdhunderassen ist bei den Nichtjägern sehr stark gestiegen. Doch Jagdhunde sind Gebrauchshunde und wurden für bestimmte Einsatzzwecke gezüchtet. Diesen Arbeitsbedürfnissen gilt es auch bei nicht jagdlich geführten Hunden entsprechend nachzukommen. Ein kleiner Leitfaden hilft, von Anfang an Fehler zu vermeiden, die später sehr schwer zu korrigieren sind.

Über das Ziel – ein gut erzogener Hund – sind sich alle einig. Doch über den Weg dorthin gibt es auch unter Jägern unterschiedliche Meinungen.

Die Wahl der passenden Hunderasse sollte nicht durch das Aussehen bestimmt sein.

Die Anlagen der Jagdhunde wurden auf die differenzierten Arbeitsgebiete bei der Jagdausübung gezüchtet. Als Jäger sollte man sich stets bei der Rassewahl die Frage stellen, mit welchen jagdlichen Arbeiten der Hund später betraut werden wird, welche Reviereigenschaften vorliegen und wieviel Zeit zur Ausbildung vorhanden sein wird. 

„Jagd ohne Hund ist Schund“, diesen Begriff haben die meisten Jäger schon einmal gehört. Was Nichtjäger oft nicht wissen ist, dass für bestimmte Jagdarten, wie z.B. der gewässernahen Jagd auf Flugwild entsprechend das Vorhalten brauchbarer Hunde gesetzlich vorgeschrieben ist. Dazu ist es als Mindestanforderung notwendig, mit dem Hund die Brauchbarkeitsprüfung erfolgreich abzulegen.

Die Fährtenarbeit ist Bestandteil der Brauchbarkeitsprüfung und soll zeigen, ob der Hund in der Lage ist, der Spur eines verletzten Tieres zu folgen.

Nicht jagdlich geführte Jagdhunde, was ist grundsätzlich zu beachten?

Klassische Vorstehhunde wie Weimaraner und Magyar Vizsla, Erdhunde wie der Dackel und auch Schweißhunde wie der BGS werden zunehmend nicht jagdlich geführt. Früher war dies undenkbar, zumal diese Rassen ausschließlich an Jäger abgegeben wurden. Den Bedürfnissen dieser Hunde aber in der Haltung trotzdem vollumfänglich gerecht zu werden, ist die oberste Pflicht jeden Halters. Züchter, die ihre Hunde an Nichtjägerhaushalte abgeben, sollten diese Möglichkeiten vorher genauestens prüfen. Die Rassezuchtvereine und ortsansässige Jagdhundeführer beraten sie als Halter sicher auch gerne. Von einer jagdlichen Ausbildung mit echten Wildfährten, Schleppwild etc. rate ich Nichtjägern jedoch deutlich ab. Der Drang, dieser Arbeit später auch nachzugehen wird wachsen und somit auch die Gefahr, dass ihr Hund wildern wird. Versuchen sie vielmehr mit Ausgleichsarbeiten wie dem „Man-Trailing“, mit Dummy-Schleppen und spielerischen Apportierübungen mit Dummys dem jeweils angewölften Einsatzzweck ihres Hundes gerecht zu werden. Die Bedürfnisse eines Jagdhundes können selbst durch ausgedehnte „Gassi-Runden“ alleine nicht erfüllt werden.

Gassigehen alleine reicht nicht aus, um einen Jagdhund auszulasten. Ihm müssen Aufgaben gestellt werden.

Der Welpe kommt nach Hause, was nun?

Nachdem sie ihren Welpen vom Züchter abgeholt haben, gilt es nun, diesen in ihren Haushalt zu integrieren. Der Sozialisierungsphase sollte besondere Achtsamkeit geschenkt werden. Hier prägen sie ihren Hund auf den Führer und dessen Umfeld, auf das Jagdrevier und den späteren Einsatzzweck. Einigen sie sich in der Familie auf einheitliche Kommandos, klare Grenzen und definieren sie eine für den Hund verständliche Rudelstruktur. Fordern aber nicht überfordern ist die Prämisse. Ich persönlich bin von der binären Kommunikation mit dem Hund überzeugt und kann ihnen das Buch „Grunderziehung für Welpen“ von Anton Fichtlmeier empfehlen. Jäger und Nichtjäger sollten den Grundgehorsam konsequent üben und als ersten Baustein das Ablegen eines Hundeführerlehrgangs anstreben. Hier finden sie auch Kontakt zu Gleichgesinnten und bekommen Rat und Tat zu offenen Fragen und bei anfänglichen Problemen in der Führung. Wenn sich in der frühen Erziehungsphase Fehler einschleichen, sind diese später sehr schwierig zu korrigieren.

Interessiert aber vorsichtig schnuppert der junge Weimaraner an der Ente. Er möchte keinen Stress mit der älteren Brandlbracke.

Jagdliche Ausbildung, Aufgabengebiete und Spezialisierungen

Ob sie ihren Hund zum Individualisten oder Spezialisten ausbilden, hängt von ihren Bedürfnissen und den Fähigkeiten der jeweiligen Rasse ab. Der Trend vom Vollgebrauchshund und dem rein auf Nachsuche spezialisierten Schweißhund wandelt sich mehr und mehr in Richtung eines Individualisten. Durch die Zulassung von Nachtzieltechnik bei der Bejagung von Schwarzwild ist die Zahl der früher verursachten Nachsuchen wegen den modernen Bejagungsmethoden deutlich gesunken. So werden reine Schweiß-Spezialisten oft nur noch von amtlich bestätigten Nachsucheführern benötigt.

Egal ob bei Jägern oder Nichtjägern: Hunde nehmen heute auch am geselligen Leben teil.

Ich selbst habe meine Brandlbracke Emmy mit vielen der individuell bei mir im Revier anfallenden Arbeiten vertraut gemacht und kann mich bei fast allen Jagdsituationen voll auf sie verlassen. Ihre besondere Nase konnte sie beim Bestehen der Schweißprüfung und bei einigen Nachsuchen unter Beweis stellen. Auf Bewegungsjagden arbeitet sie voller Freude und mit hellem Spurlaut. Sie apportiert sogar eine Ente aus dem tiefen Wasser, am Land würde sie jedoch gefundenes Flugwild nicht apportieren. Sie bleibt eben eine Bracke und ist kein Apportierhund. Von Maßnahmen wie Zwangsapport rate ich in der Ausbildung ohnehin entschieden ab.

Da Hunde „Nasentiere“ sind, ist die Fährtenarbeit für die meisten Vierbeiner kein Problem. Erst bei längeren Standzeiten trennt sich die Spreu vom Weizen. Dann punkten die Spezialisten.

Die ganz besondere Verbindung, Ihre Jagderlebnisse mit einem treuen, vierbeinigen Begleiter zu teilen ist jedenfalls einzigartig. Das Leben mit Hund ist einfach einzigartig, ich wünsche Ihnen viel Freude mit Ihrem neuen Familienmitglied und Waidmannsheil.

Was für den Mensch das Auge, ist für den Hund die Nase.
Markus Sämmer
Markus Sämmer
Autor, Koch, Abenteurer und Jäger

3 Comments

  1. Babsi Merz sagt:

    Wir haben vor 6 Jahren eine Magyar Vizsla Hündin gekauft. Ich wollte sie jagdlich ausbilden, bekam aber als Nichtjägerin keinen Platz in einer jagdlichen Hundeschule. Also trainierte ich Nachsuche mit Saidenwürste und apportieren mit dummy.
    Aber die Jagd lies mich nicht los, und so absolvierte ich 2021 mein grünes Abitur.
    Nur mag ich jetzt meiner Hündin die Brauchbarkeitsprüfung nicht antun. Sie wird aber auf Nachsuchen, bis jetzt sehr gut, eingesetzt. Vorausgesetzt, es ist ziemlich sicher eine Totsuche, sonst wird ein Profi angefordert. Es macht uns Beiden rießigen Spaß.
    Das alles nur zur Info- ein Jagdhund in Nichtjägerhand kann auch was gutes sein😃

    • Martin Kamphusmann sagt:

      Hallo Babsi
      Waidmannsheil zur bestandenen Jägerprüfung. Dieses Phänomen gibt’s bei uns im DTK sogar öfter.
      Das ist doch toll wenn deine Magyar Vizsla Hündin eine so schöne Schweißarbeit hinlegt. Dann wird sie mit ein wenig Übung auch die „Brauchbarkeitsprüfung Schalenwild“ ergo Schweißprüfung bestehen. Denn auch auf der Nachsuche auf Schalenwild ist die Brauchbarkeitsprüfung Pflicht. Übrigens kannst du mit Übungen auf der Kunstfährte deine Hündin schön über’s Jahr beschäftigen.
      Waidmannsheil und Horüdho !!

  2. Das Problem ist, daß schon die meisten Jagdhunde in Jägerhand nicht ausgelastet sind. Körperliche Betätigung ist keine Auslastung, Apportierübungen oder Suchübungen mit „Appenzellerkäse“ sind keine Auslastung und sagen nichts über die „jagdliche Intelligenz“ eines Hundes aus. Nun kommen zunehmend eigentlich hochspezialisierte Hunde in großer Zahl, ohne jagdliche Betätigung, in Nichtjägerhände (oder auch in inaktive Jägerhände) und niemand kann mehr beurteilen, was diese Hunde wirklich können, denn diese Hunde werden nicht mehr an hochkomplexe jagdliche Aufgeben herangeführt. Dennoch geraten solche Hunde wieder in die Zucht. Eine (Arbeits- ) Hunderasse nach der anderen geht so für die Arbeit verloren. Die Zahl der Individuen mit konsistenten Defiziten innerhalb einer Rasse, steigt rapide an.
    Das ist den nichtjagenden Jagdhundekäufern meist nicht bewußt, darum kann man ihnen ja auch nicht „böse sein“. Ich werbe aber immer wieder dafür, daß wenigstens einige Hunderassen für Nichtjäger (oder auch inaktive Jäger) tabu sein sollten.

    http://www.dienachsuche.de

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