Forstwirtschaft und Jagd Hand in Hand

Gerade jetzt, wo durch den Klimawandel und den stark gestiegenen Besucherdruck Wald und Wild unter den neuen Bedingungen stark zu leiden haben, gilt es den alten Diskurs zwischen Jagd und Forst endlich beizulegen. Nur wenn wir alle tatkräftig an einem Strang ziehen, hat ein artenreicher, gesunder Wildbestand und seine Lebensgrundlage, der Wald, gute Zukunftschancen. Im Grunde sind unsere Ziele ja gar nicht so unterschiedlich: gesunde und vitale Bestände von Fauna bzw. Flora und die nachhaltige Nutzung des Zuwachses stehen sowohl bei der Jagd als auch in der Forstwirtschaft im Mittelpunkt. Gemeinsam können wir mehr erreichen. Zusammen mit der Forstwissenschaftlerin Beatrice Jäger habe ich deshalb einige sehr gute Möglichkeiten für eine enge Zusammenarbeit zwischen Forst und Jagd herausgearbeitet.

Waldorientierte Jagd, Schäden vermeiden durch gezielte Schwerpunktbejagung

Die Ansitzjagd im Wald ist für manch einen Jäger ermüdend und eher Pflicht als Kür, denn häufig vermisst man hier sogar den Anblick. Auch der Satz „Wald vor Wild“ stößt uns Jägern immer wieder sauer auf. Doch warum ist das so und was bedeutet dieser Leitsatz wirklich?

Die Regelungen des Jagdgesetzes und des Waldgesetzes zur behördlichen Abschussplanung und zur Erstellung der Forstlichen Gutachten zur Situation der Waldverjüngung („Vegetationsgutachten“) bilden die Grundlage für das Waldverjüngungsziel nach den Maßstäben:

  • „Die Bejagung soll die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen“
  • „Dieses Gesetz soll insbesondere dazu dienen, einen standortgemäßen und möglichst naturnahen Zustand des Waldes unter Berücksichtigung des Grundsatzes ,,Wald vor Wild“ zu bewahren oder herzustellen“

Der ehemalige bayerische Forstminister Helmut Brunner forderte auch die aktive Unterstützung durch die Jagd ein: „Wald vor Wild heißt nicht Wald ohne Wild sondern ein standortgerechter, gemischter Wald ohne Zäune“. 

Das forstlich definierte Ziel kann sicherlich durch eine gezielte, aktive Schwerpunkt-Bejagung an den gefährdeten Flächen unterstützt werden. Naturverjüngung kann so besser ungeschützt aufwachsen und für den Wildbestand wirkt sich der entstehende Mischwald durch Mast und Äsung später ebenfalls durchaus günstig aus.

Nicht immer muss Hege jedoch mit der Büchse erfolgen, wenn die Lebensbedingungen und das Äsungsangebot im Wald entsprechend vielfältig gestaltet werden.

Die Zukunft des Waldes ist auch die Zukunft des Wildes

Die größte Herausforderung von Beatrice Jäger und ihren Kolleginnen und Kollegen im Forst ist aktuell die Planung des Zukunftswaldes. Sprich: Welche Baumarten schaffen es auch im Zuge der Klimaveränderung in 100 Jahren noch einen stabilen Wald darzustellen? Beim Waldumbau entstehen zwangsläufig viele Kulturflächen mit unterschiedlichen Baumarten, die es besonders zu schützen gilt. Hier kann in enger Absprache mit der Jagd sogar auf eine Zäunung verzichtet werden, wenn diese Flächen als Schwerpunkt stärkerem Jagddruck ausgesetzt werden.

„Mein Wunsch ist es, alte Vorurteile beiseite legen zu können und zusammen mit den Jägern ein stabiles Ökosystem zu gestalten, das es uns ermöglicht, auch in Zukunft nachhaltig Ressourcen zu nutzen. Dabei ist eine frühzeitige Einbindung der Jäger in die forstliche Planung grundlegend, um beispielsweise Schwerpunkte für die Bejagung zu setzen und auch den Weg zu meinen forstlichen Entscheidungen zu teilen“ erklärt Beatrice. 

Erst miteinander reden, dann handeln

Vor größeren Veränderungen in den Revieren gilt es künftig sicher eine engere Kommunikation anzustreben. Wo entstehen zum Beispiel Kahlschläge durch Schadholz? Diese müssen zur Aufforstung entsprechend schnell geschützt werden und die zeitnahe Errichtung einer Ansitzeinrichtung bietet sich hier an. Bei geplantem Holzeinschlag oder Wegebau sollte die Jagd vorher rechtzeitig informiert werden, da diese Bereiche dann nicht bejagt werden können. Beatrice meint: „Ich strebe eine Bejagung an, die Wild sichtbar und erlebbar bleiben lässt. Als Försterin gestalte ich aktiv den Lebensraum und muss mir bewusst sein, dass jede forstliche Entscheidung auch unser Wild betrifft.“ 

Gemeinsam eine Zukunft für Wald und Wild definieren

Wichtig wird in Zukunft sicher die ganzheitliche Waldbewirtschaftung mit multifunktionaler Ausrichtung des Waldes. Sprich weg von der reinen Betrachtung als Holzboden hin zur Inklusion von: Naturschutz, Erholung, Ästhetik, Wasserschutz, Klimaschutz usw. Und da übernimmt die Jagd gerade im Bereich Naturschutz eine große Schlüsselfunktion. 

Hier gilt es, künftig auch mit gezielter Besucherlenkung, Schaffung von Äsungsangeboten im Wald, Wildruhezonen und Öffentlichkeitsarbeit eng zusammenzuarbeiten. Die Jugendbildung in Kindergärten und Schulen sollte künftig ganz gezielt gemeinsam angestrebt und gestaltet werden. Die positive Wahrnehmung unserer Arbeit wird in Zukunft sicherlich noch wichtiger werden.

Beatrice und ich fanden einen guten Konsens bei all unseren Überlegungen:Die Forstwirtschaft und die Jagd sollten an einem Strang ziehen und auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, denn zusammen sind wir stärker!

Markus Sämmer
Markus Sämmer
Autor, Koch, Abenteurer und Jäger

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