Die Bergjagd – waidgerechte Jagd in einem fragilen Ökosystem

Auch in den alpinen Hochlagen ist die Ausübung der Jagd aktiver Naturschutz und hat eine wichtige Funktion für das montane Ökosystem. Doch dort beheimatete Schalenwildbestände, wie die der Gams, sind sehr vulnerabel und Fehlabschüsse, gerade in der mittleren Altersklasse, gefährden schnell die Gesundheit und den Bestand von kleinen Populationsgruppen. Damit die Bergjagd ein unvergesslich schönes Erlebnis wird, sind gute mentale und physische Vorbereitung und die richtige Ausrüstung das A und O zum waidgerechten Jagderfolg.

Das genaue Ansprechen gelingt im Gebirge oft nur mit einem Spektiv

Der waidgerechte Schuss

Egal wo und auf welche Wildart wir jagen, es gilt immer einen sicheren, waidgerechten Schuss anzutragen. Doch genau das ist oftmals eine große und besondere Herausforderung im Gebirge. Nicht selten liegen die Schussdistanzen jenseits der 200 m, wobei auch der sichere Schuss steil bergauf oder begab beherrscht werden muss. Die Anschlagsarten unterscheiden sich ebenfalls oft von den bekannten Schusspositionen im Flachland. Das Liegendschießen übers Zweibein oder auf dem Rucksack aufgelegt gehören genauso wie stehend angestrichene Schüsse am Pirsch- oder Bergstock zum Handwerkszeug. Um das zu üben, sollte man am besten auf einen Longrange-Schießstand gehen. Hier kann man auch das Schießen unter Belastung üben, indem man eine kleine Runde im sicheren Bereich auf- und abrennt und sich dann, mit dem erhöhten Puls, sofort zum Schuss bereitmacht. Tiefes und möglichst ruhiges Veratmen der Schüsse hilft.

Große Schussdistanzen sind bei der Bergjagd keine Ausnahme, sondern meist die Regel

Die richtige Vorbereitung

Selten werden Sie im Gebirge einfach allein zur Jagd aufbrechen. Bei den meisten Einladungen werden Sie von einem Pirschführer begleitet. Gerade die verschiedenen Klassen von Gamswild sind für Ungeübte auf weitere Distanzen schwer richtig anzusprechen. Der Pirschführer ist natürlich bestens vertraut mit dem Wild und dem Revier, aber auch mit der konditionellen Herausforderung des Jagdtages. Nicht selten muss im Gebirge das Revierfahrzeug zurückbleiben und bei den Pirschgängen teils über 500 Höhenmeter zu Fuß zurückgelegt werden. Dazu braucht es schon eine gesunde Grundfitness und Trittsicherheit, denn auch das Bergen und der Abstieg geschehen zu Fuß.

Eine gewisse Kondition ist notwendig

Die richtige Ausrüstung

Waffe

Die Wahl der Waffe ist natürlich immer auch Geschmackssache. In den Bergen werden gerne Stutzen, Repetierer und Kipplaufbüchsen geführt, wobei auf deren möglichst geringes Gewicht geachtet werden sollte. Optimal ist es, ein hochwildtaugliches und möglichst gestreckt fliegendes Kaliber zu verwenden und dessen ballistisches Verhalten genau zu kennen. Es eignen sich z. B. .270 Win. und die Geschosse der 6,5-mm-Gruppe. Aber auch Kaliber wie .308 Win. können, mit dem richtigen Geschoss und am besten einem Ballistikturm am Zielfernrohr, noch jenseits der 200 m eingesetzt werden. 

Schöne Aussicht, aber weite Schussentfernungen

Was alles in den Rucksack gehört

In den Bergen ist man oft auf sich allein gestellt, Hilfe kommt meist spät und Wetterwechsel oft schnell. Deshalb muss schon vor dem Aufbruch zu einem langen Jagdtag der Rucksack gepackt und überprüft sein. Hier eine kleine Checkliste, was alles mit hinein sollte:

  • Wechselwäsche (um nach dem Aufstieg ein Auskühlen durch nasse Kleidung zu verhindern)
  • wärmende Zusatzschichten und Wetterschutzkleidung (Wetterwechsel kommen schnell, das    Zwiebel-Prinzip ist optimal)
  • Fernglas und evtl. ein leichtes Spektiv (zum Beobachten und Ansprechen auf weite Distanzen)
  • Entfernungsmesser (in den Bergen verschätzt man sich bergauf, bergab und über Schluchten schnell)
  • Verpflegung und Getränke (Notration und genügend Wasser für einen Tag einkalkulieren)
  • Erste-Hilfe-Set mit Turnet Key (dieser ist zur ersten Hilfe von Gefäßverletzungen lebensrettend)
  • geladenes Handy und Stirnlampe (zum Bergen und Abstieg ist Licht oft unerlässlich)
  • Bergegurte und Packmaterial für schwereres Wild (wenn nicht vom Pirschführer gestellt)
  • Sitzkissen und leichte Lodendecke (auch als Schießunterlage im Liegen gut verwendbar)
  • Windpulver (der Wind im deckungsarmen Hochgebirge muss immer geprüft werden)
Eine gute Vorbereitung ist das A und O

Sonstige Ausrüstung

Richtiges Schuhwerk sind möglichst hohe und feste Bergstiefel. Je nach Jahreszeit können auch leichte Steigeisen auf Schneefeldern notwendig werden, das sollte bei der Wahl des Schuhs berücksichtigt werden. Die Schuhe sollten vor der Jagd bereits gut eingetragen werden, um unangenehmes Drücken oder Blasen zu vermeiden.

Ein Bergstock oder ein dafür tauglicher Pirschstock erleichtert das sichere Gehen und ist oft ein unverzichtbarer Helfer für einen stehenden Anschlag.

Ein Bergstock erleichtert das sichere Gehen

Wildbrethygiene

Unser Wildbret ist ein absolut hochwertiges Lebensmittel, welches bei der Verwertung höchsten Hygienestandards unterliegt. Um diese auch in den Bergen gewährleisten zu können, hierzu ein paar Überlegungen:

Das Handeln vor dem Schuss beinhaltet den Blick auf den Sonnenstand, das Wetter und die Uhr. Die Überlegung, ob Wild nach dem Erlegen überhaupt noch sicher gefunden und geborgen werden kann sind ein wichtiger Faktor und sind auch für die Verwertung vom Wildbret unabdingbar.

Bei der Schussabgabe sollte immer auf Nummer sicher gegangen werden. Nachsuchen sind stets zu vermeiden, selbst Totsuchen können sich gelegentlich äußerst schwierig gestalten.

Nach dem Schuss muss das Wild zügig gefunden, geborgen und aufgebrochen werden. Bei schwerem Wild wie Rotwild und im unwegsamen Gelände wird teils vor Ort grob zerwirkt und die Last verteilt. Berufsjäger nähen zum Transport nach dem Aufbrechen einer Gams oft auch die Bauchhöhle wieder zu, um das Eindringen von Schmutz und Keinem möglichst zu verhindern. Das erlegte Wild ist möglichst schnell der Kühlkette zuzuführen. 

Nach der schnellen Bergung der erlegten Gams ist die Freude groß

Der verantwortungsvolle Umgang mit der Bergwelt und ihrem Wildbestand ist selbstverständlich für die Bergjagd. Die herrliche Fauna und Flora in den Bergregionen kennenzulernen und immer besser zu verstehen, ist sicher jedes Mal aufs Neue ein unvergessliches Erlebnis. Doch auch ohne Büchse kann man auf Wanderungen die einmalige Kulisse der Berge genießen und ihre Tierwelt beobachten. In manchen Revieren werden eigens dafür geführte Gamswanderungen angeboten, wo die Tiere weder gestört noch beunruhigt werden.

Unbeschreiblicher Sonnenaufgang in den Bergen
Markus Sämmer
Markus Sämmer
Autor, Koch, Abenteurer und Jäger

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